IDAHOBITA 2026: „Wir brauchen mehr denn je ein klares Engagement gegen Queerfeindlichkeit!”

Am 17.05. wird der internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit (IDAHOBITA) begangen. Der Aktionstag macht auf bestehende Diskriminierungserfahrungen und Gewalt gegenüber LSBTIQA*-Personen aufmerksam.

Im vergangenen Jahr wurden notwendige queerpolitische Gesetzesvorhaben wie eine Reform des Abstammungsrechts oder die Ergänzung des Art. 3 GG verschleppt. Stattdessen wurde insbesondere über eine mögliche Meldeverordnung im Zusammenhang mit dem Selbstbestimmungsgesetz diskutiert. Dabei steht im Raum, frühere Angaben zu Geschlechtseintrag und Vornamen behörden übergreifend anlasslos weiterzugeben. Im Januar 2026 erklärte die Bundesregierung die Arbeit am Aktionsplan ‚Queer Leben‘ mit dem Ende der vorherigen Legislaturperiode für abgeschlossen. Auch die Förderung für queere Selbstorganisationen auf Länder- und Bundesebene ist vielerorts gefährdet.

Dazu erklärt Robin Ivy Osterkamp vom Bundesverband Trans*: „Mit großer Sorge beobachten wir, dass queerpolitische Vorhaben durch die neue Bundesregierung nicht mit der nötigen Entschlossenheit verfolgt werden. Es fehlt das klare Bekenntnis zu einer Gesellschaft, in der queere Personen in Würde, sicher und ohne Diskriminierung leben können. Insbesondere in Zeiten, in denen Anfeindungen und Gewalt zunehmen, braucht es ein tatkräftiges Vorgehen und eine öffentliche Solidarisierung mit den queeren Communities. Angesichts der fehlenden politischen Unterstützung fühlen sich trans* und nicht-binäre Personen aktuell bedroht und fürchten eine weitere Verschärfung des gesellschaftlichen Klimas.“

Im aktuellen Ranking von ILGA Europe verbessert sich Deutschland nur geringfügig und bleibt weiterhin hinter wichtigen queerpolitischen Standards zurück. Besonderen Handlungsbedarf sieht der Dachverband beim Schutz der körperlichen Unversehrtheit von intergeschlechtlichen Personen sowie der rechtlichen Situation von Regenbogenfamilien und queeren Geflüchteten.

Für den Mitte 2025 vorgestellten Berichtszeitraum 2024 registrierten Bundesinnenministerium und Bundeskriminalamt 1.152 Straftaten im Feld „geschlechtsbezogene Diversität“ – ein Anstieg von knapp 35 % gegenüber dem Vorjahr. Zivilgesellschaftliche Analysen zeigen zudem, dass 2025 bei 21,4 % aller bundesweiten CSDs rechte Gegenveranstaltungen stattfanden. Fast jede zweite Pride-Veranstaltung war von Störungen betroffen.

„Wir dürfen nicht nur die rechtliche Situation im Blick haben, sondern müssen auch die Lebensrealitäten und Erfahrungen unterschiedlicher queerer Communities berücksichtigen. Polizeiliche Statistiken und zivilgesellschaftliche Monitoringstellen melden seit Jahren steigende Fallzahlen von queerfeindlicher Hasskriminalität. Wir brauchen hier mehr denn je ein klares Engagement gegen Queerfeindlichkeit! Die Beendigung des Aktionsplans ‚Queer Leben‘ ist in dieser Situation ein fatales Signal und muss zurückgenommen werden, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und queeres Leben zu schützen“, fügt Robin Ivy Osterkamp abschließend hinzu.

Weiterführende Links:

Bundesverband Trans* (2026). Trans*feindlichkeit in Deutschland im Jahr 2026: Aktuelle Entwicklungen und Befunde.

ILGA Europe (2026). Rainbow Map – Country Sheet Germany.

TGEU (2026). Trans Rights Index and Map 2026.

BMI & BKA (2025). Factsheet – Bundesweite Fallzahlen 2024 Politisch Motivierte Kriminalität, S.11.

AK Fe.In (2026). Das neue Normal ist queerfeindlich. Auswertung der rechten Angriffe auf
CSDs in der Pridesaison 2025.

Dieses Statement ist als Pressemitteilung des BVT* erschienen und kann hier als PDF heruntergeladen werden.