Aktuelle Zahlen zum Selbstbestimmungsgesetz

Wie viele Personen haben das Selbstbestimmungsgesetz schon genutzt, um Geschlechtseintrag und Vornamen zu ändern?

Das Selbstbestimmungsgesetz trat am 01.11.2024 in Kraft. Das Statistische Bundesamt hat im Juni 2026 Zahlen zu Änderungen von Geschlechtseintrag und Vornamen für den Zeitraum von November 2024 bis März 2026 veröffentlicht.[1] Insgesamt haben in den 17 Monaten 28.364 Personen eine Änderung von Geschlechtseintrag und Vornamen über das SBGG vorgenommen. Es gab zu Beginn besonders viele Änderungen. Allein im November und Dezember 2024 gaben 10.589 Personen eine Erklärung nach dem Selbstbestimmungsgesetz ab. Mittlerweile ändern deutlich weniger Personen pro Monat ihren Geschlechtseintrag. Im März 2026 lag der Wert bei 722.

Was lässt sich aus den Zahlen ablesen? Was nicht?

Die veröffentlichten Daten zeigen, dass ein Großteil der Änderungen einen Wechsel zwischen den Einträgen männlich und weiblich betrifft. 2025 änderten in 27 % der Fälle Personen den Eintrag ‚männlich‘ zu ‚weiblich‘ und 42 % von ‚weiblich‘ zu ‚männlich‘. 20 % der Personen änderten die Angabe von ‚weiblich‘ zu ‚divers‘ oder ‚keinen Eintrag‘. In 9 % der Fälle erfolgte eine Änderung von ‚männlich‘ zu ‚divers‘ oder ‚keinen Eintrag‘.

In Bundesländern mit einer hohen Einwohner*innenzahl und/oder einer großen queeren Community wurden besonders viele Fälle von Änderungen registriert. Die fünf Bundesländer mit den meisten Änderungen waren im Jahr 2025 in absteigender Reihenfolge: Nordrhein-Westfalen (2947), Bayern (2021), Niedersachsen (1765), Berlin (1490) und Baden-Württemberg (1420). 

Die vorgestellten Zahlen umfassen ausschließlich Personen, für die ein Geschlechtseintrag in einem deutschen Geburtenregister vorliegt. Personen mit einem Eintrag in einem ausländischen Geburtenregister wurden nicht in die Statistik aufgenommen.

Haben viele Personen auf das Selbstbestimmungsgesetz gewartet, um ihren Geschlechtseintrag zu ändern?

Spätestens seit Juni 2022, als erste Eckpunkte des Selbstbestimmungsgesetzes durch die damalige Bundesregierung veröffentlicht wurden, machte sich die Hoffnung breit, dass es demnächst eine menschenrechtskonforme Regelung für die Änderung des Geschlechtseintrags geben könnte. Das Statistische Bundesamt gab bekannt, dass für den Zeitraum von Januar bis Oktober 2024, in dem noch das „Transsexuellengesetz“ (TSG) angewendet wurde, nur in 596 Fällen eine Änderung des Geschlechtseintrags vorgenommen wurde. Dies legt nahe, dass viele trans* und nicht-binäre Personen auf das Selbstbestimmungsgesetz und die damit verbundene Abschaffung von Begutachtung und Gerichtsverfahren gewartet haben.

Im Gesetzgebungsprozess schätzte die Bundesregierung, dass jährlich mit ca. 4.000 Verfahren zu rechnen sei. Da sich diese Prognosen an der Anzahl der Änderungen nach dem TSG orientierten, ist es möglich, dass der tatsächliche Bedarf an Änderungen unterschätzt wurde. Das TSG wirkte durch die doppelte Begutachtung für einige trans* Personen abschreckend. Gleichzeitig war es vielen nicht-binären Personen erst seit Kurzem möglich, über das TSG ihre Angaben zu ändern. Es ist noch nicht absehbar, ob bei den Zahlen für 2026 weiterhin ein Nachholeffekt zu beobachten ist. Das Selbstbestimmungsgesetz ist nun etwas länger als 1,5 Jahre in Kraft und ermöglicht so erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit die Änderung von Vornamen und Geschlechtseintrag auf menschenrechtskonforme Art und Weise.

Wie viele trans* und nicht-binäre Personen gibt es?

Die Frage lässt sich nur annähernd beantworten, da es in keinem Land der Welt eine offizielle Statistik gibt, die alle trans* und nicht-binäre Personen erfasst. Schätzungen beruhen zum Teil auf repräsentativen Einstellungsumfragen, bei denen Studienteilnehmer*innen zufällig ausgewählt werden. Seit Jahren werden Schätzungen regelmäßig nach oben korrigiert.[2] In einer Studie des Pew Research Centers aus dem Jahr 2022 wurde der Anteil an der US-amerikanischen Gesamtbevölkerung auf 1,6 % (1 % nicht-binäre Personen, 0,6 % trans* Frauen und trans* Männer) geschätzt.[3] Auf Deutschland übertragen hieße das, dass sich ca. 1,35 Mio. Personen als trans* und/oder nicht-binär identifizieren.

Viele gesellschaftliche Faktoren wie die steigende Sichtbarkeit, der Abbau von Diskriminierung und ein wachsendes Bewusstsein für geschlechtliche Vielfalt tragen dazu bei, dass sich trans* und nicht-binäre Personen mit ihrer Identität auseinandersetzen und sich outen. Gleichzeitig hat sich das Verständnis von Trans*geschlechtlichkeit und Nicht-Binarität in den vergangenen Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt, sodass eine Fremddefinition durch die Medizin und Psychologie mittlerweile einer Auskunft auf Basis der eigenen Identität und Erfahrung gewichen ist.

[1]      Statistische Bundesamt (2026). Daten zur Änderung des Geschlechtseintrags für die Jahre 2024 und 2025 und vorläufige Ergebnisse für 2026. Zuletzt abgerufen am 24.06.26

[2]     Meerwijk E. L & Sevelius J. M. (2017). Transgender Population Size in the United States: a Meta-Regression of Population-Based Probability Samples. American Journal of Public Health, 107(2), e1-e8. Zuletzt abgerufen am 24.06.26

[3]    Pew Research Center (2022). About 5% of young adults in the U.S. say their gender is different from their sex assigned at birth. Zuletzt abgerufen am 24.06.26

Der vollständige Text kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Grafik. Da steht: "Daten statt Meinung. Aktuelle Zahlen zum Selbstbestimmungsgesetz." Zeichnung von einer Gruppe glücklicher Menschen. Um das Bild herum ist ein gelbesfarbener Rahmen.