Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus: Erinnerungintersektional denken – Verantwortung aus der Geschichte übernehmen

Am 27. Januar gedenkt die Welt, Deutschland und der Bundesverband Trans* der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Jahr 1945 und der Opfer des Nationalsozialismus. Der internationale Holocaustgedenktag mahnt, die nationalsozialistischen Verbrechen nicht zu vergessen und Lehren aus der Geschichte für Gegenwart und Zukunft zu ziehen.

Gemeinsames Gedenken: Gemeinsam in der Unterschiedlichkeit. Die Opfer des Nationalsozialismus sind Jüdinnen*Juden, Rom*nja und Sinti*zze, politische Gegner*innen des NS, Menschen mit Behinderung, Schwarze Menschen – alle Menschen, die nicht in das menschenverachtende Weltbild des Faschismus hineinpassten.

Zu den Opfern und zum Gedenken gehören auch queere* Personen, die im Nationalsozialismus systematisch verfolgt, entrechtet, inhaftiert, zwangssterilisiert und ermordet wurden. Besonders die Verfolgung von trans* und nicht-binären Menschen wurde über Jahrzehnte hinweg kaum benannt und unzureichend historisch aufgearbeitet.

Robin Ivy Osterkamp aus dem Vorstand des BVT* erklärt dazu:


„Trans* und nicht-binäre Personen sind keine homogene Gruppe. Viele von uns leben in Armut, sind behindert oder von Rassismus betroffen. Diese Mehrfachdiskriminierungen müssen auch im historischen Gedenken sichtbar werden. Erinnerung, die diese Verschränkungen ausblendet, bleibt unvollständig.“

Diese Diskriminierungsverhältnisse wirkten im Nationalsozialismus nicht getrennt voneinander, sondern verstärkten sich gegenseitig. Die Verbrechen stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern entspringen einer Ideologie, die Menschen nach vermeintlichem „Nutzen“, „Normalität“ und „Wert“ einteilte – eine Logik, die auch trans* und nicht-binäre Personen betraf.

Die Auswirkungen dieser Gewaltverhältnisse endeten nicht 1945. Rechtliche und gesellschaftliche Kontinuitäten prägten die Bundesrepublik über Jahrzehnte hinweg: Kriminalisierung und Stigmatisierung von queeren Leben bestand in DDR und BRD fort. Das 1980 eingeführte sog. „Transsexuellengesetz“ enthielt bis 2011 Regelungen wie den Sterilisationszwang. Armut, institutionelle Diskriminierung und Barrieren im Gesundheits- und Sozialsystem betreffen trans* und nicht-binäre Menschen bis heute überproportional häufig.

Der BVT* betont, dass Erinnerungskultur intersektional gedacht werden muss. Viele trans* intergeschlechtliche und nicht-binäre Personen waren und sind von Mehrfachdiskriminierungen betroffen – etwa durch Armut, Behinderung, Antisemitismus und Rassismen gegen BIPoC wie Rom*nja und Sinti*zze, Schwarze Menschen, oder durch die Kriminalisierung und Stigmatisierung von Sexarbeit.

Der BVT* fordert eine umfassende historische Aufarbeitung aller Verfolgten des Nationalsozialismus, die intersektionale Perspektiven einbezieht. Dazu gehören auch eine inklusive Erinnerungskultur sowie ein entschiedenes politisches Handeln gegen heutige Formen von Menschenfeindlichkeit, wie Queerfeindlichkeit, Rassismus, Ableismus und sozialer Ausgrenzung.

Der Bundesverband Trans* verweist auf die Gedenktermine und Kranzniederlegungen:

27.01.2026

Berlins Queerbeauftragter, Alfonso Pantisano, lädt um 18:00 Uhr zum stillen Gedenken an die Gedenktafel „Rosa Winkel“ am U-Bahnhof Nollendorfplatz ein. Queere Communities sollen hier gemeinsam an die queeren Opfer des nationalsozialistischen Unrechtsregimes erinnern können. Alle sind herzlich eingeladen – auch, Blumen, Kränze oder Kerzen mitzubringen.

28.01.2026

An den weiteren Denkmälern: 

11.00 Uhr – Gedenken des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen am Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde (Tiergartenstraße 4, 10785 Berlin).

14.00 Uhr – Gedenken des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas (Simsonweg, 10557 Berlin).

15.00 Uhr – Stilles Gedenken durch den LSVD+ Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg e. V. – am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen (Ebertstraße auf Höhe Hannah-Arendt-Straße, 10785 Berlin-Tiergarten).

Zum Weiterlesen:

LSVD+ lädt zum Gedenken an die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten LSBTIQ* ein.